Sauna bei Erkältung – zu empfehlen oder besser vermeiden?

Lässt sich eine Erkältung in der Sauna einfach „ausschwitzen“? Vielleicht sogar von vornherein verhindern? Oder macht das Saunieren im Gegenteil alles noch viel schlimmer? Gerade in der kalten Jahreszeit bewegen diese Fragen viele Saunafreunde. Wir haben uns umgehört und Antworten für Sie gefunden.

Wenn die Erkältung schon ausgebrochen ist

Erkältung: Freu mit Schnupfen

Der Januar ist der Monat, in dem sich die Krankmeldungen wegen Erkältungen häufen. Husten, Schnupfen, Heiserkeit sind die Plagen dieser Jahreszeit. Oft kommen dann auch noch Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen hinzu. Können Saunagänge da helfen? Schließlich werden die positiven Wirkungen des Saunierens auf die Gesundheit vielfach gelobt. Kann etwas so Gesundes überhaupt schädlich sein?

In diesem Punkt sind sich alle Autoren und Autoritäten einig: Mit einem grippalen Infekt, einer bereits ausgeprägten Erkältung sollten Sie auf keinen Fall in die Sauna gehen. Denn dann ist das Immunsystem, das in gesunden Zeiten durch Saunagänge trainiert werden soll, bereits angeschlagen. Ihr Abwehrsystem braucht jetzt alle verbliebene Energie für den Kampf gegen die Erkältungsviren, die momentan die Oberhand gewonnen haben. Zusätzlicher Stress durch den schnellen Wechsel zwischen Hitze und Kälte belastet zudem Ihr Herz-Kreislaufsystem. Ihr bereits angeschlagener Körper wird so noch weiter geschwächt und der Genesungsprozess behindert. Im schlimmsten Fall verschlimmert sich Ihre Erkältung sogar noch. Sauna bei ausgeprägter Erkältung  ist also keine gute Idee – doch wie schaut es aus bei einer sich gerade erst anzukündigen Erkältung?

Wenn die Erkältung sich gerade erst ankündigt

Ein leichtes Kratzen im Hals, eine trockene Nase: Die allerersten Anzeichen wirken noch sehr harmlos. Noch fühlen Sie sich nicht krank, doch Sie ahnen es vielleicht bereits schon: da ist eine Erkältung im Anmarsch!

Lässt sich in diesem frühzeitigen Stadium der volle Ausbruch des Infekts mit einem Saunabesuch vielleicht noch vermeiden? Zu dieser Frage herrschen verschiedenste Meinungen vor. So heißt es etwa auf dem Medizin-Portal Dr. Gumpert:

„Bei ersten Erkältungssymptomen wie Kratzen im Hals oder einer trockenen Nase kann noch sauniert werden, gesellen sich jedoch Schnupfen, Halsschmerzen, Husten oder Fieber hinzu, so sollte auf den Saunagang verzichtet werden, bis sich der Körper wieder erholt hat.“

Ähnliche Aussagen haben wir vielerorts gefunden, wobei die Grenze zwischen Empfehlung und Warnung oft recht undeutlich formuliert wird. Wie etwa auf Gesundheit.de:

„Kopf-, Hals- und Gliederschmerzen sind die ersten Anzeichen einer Erkältung. Zu diesem Zeitpunkt sollte man mit Saunabesuchen vorsichtig sein. Wenn die Erkältung weit fortgeschritten ist, sollte man lieber auf den Saunagang verzichten. Denn bei einer Erkältung gilt Schwitzen zwar als gesund. Doch die Belastung durch die Schwitzkur kann in dieser Situation für das Herz-Kreislauf-System zu hoch sein.“

Auf Sauna.kultur gibt es immerhin noch genauere Tipps fürs Saunieren bei den ersten Anzeichen:

„Bei den ersten Anzeichen einer Erkältung wie Frösteln und Kribbeln im Hals, kann die Sauna noch sehr wohltuend sein. Wir empfehlen Ihnen dabei eher niedrige Temperaturen und eine Dampfsauna, die die Schleimhäute nicht so austrocknet. Auf die kalte Dusche danach sollten Sie ebenfalls verzichten und sich lieber ausruhen und den Körper von selbst abkühlen lassen.“

Eine klare Warnung spricht dagegen der Facharzt für Allgemeinmedizin und Lehrbereichsleiter Allgemeinmedizin an der Universität Würzburg, Dr. Hans-Jörg Hellmuth in der Apotheken-Umschau aus. In „7 Erkältungsmythen im Check“ heißt es:

„Ist eine Erkältung im Anmarsch, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie nach dem Saunagang so richtig zuschlägt“, so Hellmuth. Der Grund dafür: In der heißen Luft können sich Keime schneller vermehren, der Infekt im Körper kann stärker werden.

Auch diese Meinung findet sich mehrfach, so dass jedenfalls eines gewiss ist: Eine hundertprozentige Sicherheit, dass Saunieren bei einer kommenden Erkältung nützt und nicht schadet, gibt es nicht. Auch die Saunafreunde, die sich in verschiedenen Foren zum Thema äußern, berichten von unterschiedlichen Erfahrungen. Einigen ist es gelungen, die Erkältung mit einem Saunabesuch gleich bei den ersten Anzeichen zu vermeiden, andere äußern, dass sie das nie wieder tun würden, denn es hätte ihr Befinden zügig verschlimmert. Wie etwa Gunnar Haeger im Frageportal auf STERN.de:

„Wenn man 5 Ärzte fragt, wird man 5 verschiedene Antworten bekommen. Ich als leidenschaftlicher Saunagänger kann Dir davon nur abraten. Auch ich habe probiert eine sich nähernde Erkältung mit saunieren aus dem Wege zu gehen. Das Gegenteil war der Fall. Mein Arzt meinte, durch den erhöhten Kreislauf haben die Erreger quasi einen Beschleuniger. Ich mache das nicht mehr.“

Was genau bewirkt das Saunieren?

Es gilt: Letztendlich kommt es auf den Einzelfall an, ob und wann ein Saunagang noch gut tut oder eher schadet. Wer ein geübter Saunagänger ist, wird das besser einschätzen können als ein Anfänger. Ebenso gibt es sicher unterschiedliche Auffassungen, was noch als „erste Anzeichen“ zu werten ist und was schon eine ausgewachsene Erkältung ist.

Frau sitzt mit Handtuch in Sauna

Um das Risiko auf den eigenen Körper besser einschätzen zu können, ist es sicher hilfreich, die Wirkungen der Sauna auf den Körper genau zu kennen. Die folgenden Aspekte beziehen sich auf die klassische finnische Sauna (und nicht auf die sanftere Alternative der Bio-Sauna):

  • In der Sauna steigt die Temperatur auf der Haut um bis zu 10 Grad; im Körperinneren um bis zu zwei Grad, ähnlich wie bei Fieber. Im Bemühen, die Temperatur konstant zu halten, bietet der Körper nun alles auf, um Wärme abzugeben: Das Herz pumpt Blut in die geweiteten Gefäße der Körperperipherie. Durch Schwitzen wird Verdunstungskühle erzeugt. Auch die Atemfrequenz nimmt zu.
  • Der anschließende Kältereiz fordert die gegenteilige Reaktion: Die Blutgefäße ziehen sich wieder zusammen, das Blut fließt verstärkt ins Körperinnere, um dort die Wärme zu erhalten.
  • Der mehrfache Wechsel zwischen Hitze und Kältereiz trainiert so den Kreislauf und das Wärmeregulationssystem des Körpers. Die Blutgefäße in der Haut und in den Schleimhäuten der Atemwege werden stimuliert, der Körper lernt, sich an unterschiedliche Temperaturen besser anzupassen und bei Kälte weniger zu frieren. Erkältungsviren können so besser abgewehrt werden.
  • Durch die gezielte Stimulation der Atemwege und die stärkere Durchblutung des Nasen-Rachenraums wird der Aufbau von Abwehrzellen verstärkt und auf diese Weise das Erkältungsrisiko reduziert. Es ist derselbe Vorgang wie bei Kneippschen Wechselduschen, durch die ebenfalls die Anzahl der Immunzellen steigt.
  • In der Hitze entspannen sich die Muskeln, was ebenfalls zum Gesundheitswert des Saunierens beiträgt.
  • Auch die Haut profitiert von der kräftigen Durchblutung. Die Poren öffnen sich und sie wird besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.
Wichtig
Die positiven Wirkungen auf die Gesundheit treten jedoch nicht direkt beim ersten Saunagang ein, sondern erst nach acht bis zwölf Wochen regelmäßigen Saunierens.

Der Deutsche Saunabund e.V. schreibt dazu:

„Für keine andere Maßnahme ist eine erhöhte Widerstandsfähigkeit gegenüber grippalen Infekten sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern so gut nachgewiesen wie für das Saunabaden. Zusätzlich ist die gesundheitliche Stabilität insgesamt erhöht. Untersuchungen haben gezeigt, dass nach etwa einem Vierteljahr regelmäßigen, wöchentlichen Saunabesuchs sich die Zahl der grippalen Infekte halbiert, die zudem leichter verlaufen.“

Detox durch Sauna

Eine weitere Wirkung des Schwitzens ist ein Reinigungseffekt auf Zellebene, der in der Wissenschaft allerdings umstritten ist. Dennoch schwören viele Saunafreunde auf den Entschlackungseffekt, durch den dem Körper Schadstoffe entzogen werden sollen. Auf Netdoctor.at wird der Vorgang so erklärt:

„Die beim Schwitzen ausgeschiedene Flüssigkeit gewinnt der Körper zunächst aus dem Blut. Dieses wird dadurch minimal dickflüssiger. Schwitzt man weiter, gleicht der Organismus den Verlust aus, indem er den Muskeln sowie dem Fett- und Bindegewebe Wasser entzieht. Dieses gelangt ins Blut – und mit ihm auch Abfallstoffe aus dem Stoffwechsel, die sich im Gewebe angelagert haben. Sie werden anschließend über den Urin ausgeschieden. Wenn man während der Saunagänge trinkt, würde man diesen ‚Ausschwemmprozess‘ von Schlackenstoffen stoppen. Daher sollte unbedingt erst nach dem letzten Saunagang getrunken werden – dann aber nicht zu wenig, um den Flüssigkeitsverlust wieder wett zu machen.“

Fazit: Was tun bei Erkältung?

Sie sollten nicht in die Sauna gehen, wenn Ihre Erkältung bereits richtig ausgebrochen ist. Ein Wagnis stellt das Saunieren auch bei den allerersten Anzeichen dar: Es kann helfen den Ausbruch zu verhindern, aber wenn Sie den richtigen Zeitpunkt verpassen, beschleunigt die Sauna Ihre Erkältung und verschlechtert Ihr Wohlbefinden.

Unsere Empfehlung:
  • Hören Sie auf Ihren Körper, zwingen Sie sich zu nichts! Wer ein dringendes Ruhebedürfnis spürt, sollte dem nachgeben und nicht irgend etwas tun, nur weil es nützlich sein könnte.
  • Wenn Sie sich für das Saunieren entscheiden, nutzen Sie nur eine kreislaufschonendere Bio-Sauna. Dabei handelt es sich um eine sanftere Alternative zur finnischen Sauna, in der generell um die 45 bis 60° Grad herrschen. Lassen Sie das kalte Abkühlen am Schluss aus! Dann ähnelt die Wirkung einem heißen Bad, dessen positive Wirkungen im Anfangsstadium unumstritten sind. Wenn Sie Vorerkrankungen haben oder sich unsicher fühlen, sollten Sie vorher auf jeden Fall Ihren Hausarzt aufsuchen.
  • Ist die Erkältung abgeklungen, schonen Sie sich besser noch ein paar Tage. Danach scheint die Bio-Sauna zur Einstimmung auf weitere Saunagänge eine gute Wahl.

Mann sitzt auf Holzbank in Sauna

Bewährte Hausmittel gegen Erkältung

Glücklicherweise ist Saunieren nicht das Einzige, was Sie zur Abwehr oder zumindest zur Milderung einer Erkältung in Betracht ziehen können. Einige bewährte Tipps, die bereits seit Generationen Anwendung finden, sind folgende:

  • Inhalieren: Heißer Wasserdampf befreit die Atemwege. Entweder über einer Schüssel mit Handtuch über dem Kopf oder mit dem Inhalator aus der Apotheke. Kamillenblüten oder Extrakt als Zusatz ins heiße Wasser wirkt antientzündlich.
  • Brust einreiben: Salben mit ätherischen Ölen wie Eukalyptus oder Menthol verdunsten ihre Wirkstoffe, die dann eingeatmet werden. Das subjektive Befinden verbessert sich, die Nase wird – je nach Stadium des Schnupfens – eventuell freier.
  • Heißer Tee: Lindenblüten- oder Holunderblütentee wirken gegen Fieber. Auch jeder andere heiße Tee, ob mit oder ohne Zitrone, wird als angenehm empfunden. Dem Ingwertee werden antibakterielle und entzündungshemmende Wirkungen zugeschrieben. Sicher ist, dass er innere Wärme erzeugt, was bei Erkältung angenehm ist.
  • Hühnersuppe: Mittlerweile ist wissenschaftlich erwiesen, dass Großmutters Rezept tatsächlich wirkt. Im Versuch zeigten Forscher der Universität Nebraska, dass Hühnersuppe bestimmte weiße Blutkörperchen blockiert, die Entzündungen und Schwellungen der Schleimhäute auslösen können. Sie wärmt zudem von innen und enthält Vitamine, Eisen und Zink. Aber Achtung: Mit Instant-Suppen klappt das nicht! Die Hühnersuppe sollte selbst zubereit und am besten von jemand Nahestehendem liebevoll zubereitet werden, dann wirkt sie gleich doppelt so gut!

Ein Problem, das Gartensauna-Besitzer nicht haben

Zum Schluss noch ein kleiner Vorteil, den kränkelnde Eigentümer einer privaten Sauna genießen: Sie erreichen Ihre heimische Sauna wesentlich schneller als die nächste öffentliche Sauna. Zudem können sie jederzeit alleine saunieren und müssen so keine Angst davor haben andere Personen anzustecken.

Fasssauna außen und innen

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